Gastbeitrag Dr. Rainer Stetter: Education 4.0 für Unternehmen 4.0

Neue Ausbildungsplätze für agile Unternehmen

Dr. Rainer Stetter
Dr. Rainer Stetter, ITQ

Unsere Gesellschaft, Arbeitswelt und unser Ausbildungswesen ist geprägt von technologischen Umbrüchen, demografischer Wandel, Migration und der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen. Dieser Wandel bedingt ganz neue Unternehmens- und Ausbildungskonzepte. Der Schlüssel, um eine Vorreiterrolle auf dem Feld innovativer Arbeitsorganisationen und Ausbildungskonzepte einzunehmen, ist das Arbeiten und Denken in Netzwerken, das eigenverantwortliche Agieren und selbst bestimmtes Arbeiten, um die Stärken der einzelnen Individuen maximal einzusetzen. Dies impliziert einen Managementansatz, bei denen nicht Strukturen und Hierarchien, sondern Aufgaben im Fokus stehen. Und dafür benötigen wir Industrie 4.0-fähige Menschen, die neben dem fachlichen Know-how ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität und Motivation mitbringen.

Showcase Mi5 – innovatives Ausbildungskonzept

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Projekt MI5

Das Verständnis für diese notwendigen Veränderungen ist zentrale Voraussetzung, um in den Unternehmen, aber auch in den verschiedensten Formen von Ausbildungsinstitutionen die richtigen Weichen zu stellen. Dafür hat die ITQ GmbH mit Partnern aus Industrie, Forschung und Lehre gemeinsam mit 30 Studenten aus unterschiedlichen Fachbereichen und Nationalitäten den Funktionsdemonstrator „Showcase Mi5“ initiiert. Ziel des Demonstrators Mi5 ist, in transparenter Weise darzustellen, wie sich die technologischen Strukturen aufgrund der Einflüsse von Industrie 4.0 verändern. Das Mi5-Team ist in verschiedene thematische Gruppen aufgeteilt, die alle interdisziplinär zusammenarbeiten. Dieses gemeinsame Arbeiten über verschiedene Disziplinen hinweg und das regelmäßige Abstimmen der Teams bildet eine solide Grundlage, um Verbesserungen frühzeitig im Prozess einzubringen.

Engineering (be)greifbar machen

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MI5 Showcase

Gedankliche Grundlage für diesen Showcase war eine neu zu entwickelnde Produktionslinie für die Lebensmittelbranche. Entstanden ist ein hochmodulares, in sich vernetztes Produktionssystem, mit dem sich frei konfigurierbare Produkte aus Festkörpern und Flüssigkeiten herstellen lassen. Der ausgewählte Anwendungsfall behandelt die Produktion zweier grundsätzlich verschiedener Produkte: zum einen sogenannte Keks-Burger (ein geschichteter Verbund aus Keks und einer Füllschicht, z.B. Schokocréme) und zum anderen Cocktails. Die skizzierte „Engineering-Demonstrationsanlage“ wurde sowohl virtuell als auch real konstruiert, um auf mehreren Abstraktionsebenen darstellen zu können, wie die einzelnen Schritte des Engineerings konkret durchzuführen sind.

Aufbau und Systemarchitektur
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Showcase MI5

Die Anlage ist modular gestaltet, sodass eine beliebige Kombination virtuell-simulierter wie realer Module interagieren können – ein perfekter Übergang zwischen „Cyber“ und „Physic“. Dabei ist sie so konzipiert, dass die Anlage Steuerungshardware von vier verschiedenen Automationsherstellern (B&R, Beckhoff, Bosch Rexroth, Siemens) integriert. Somit ist die Anlage ein Beispiel für die digitale Vernetzung und Kommunikation über offene Standards (z.B. OPC UA) in der Produktion von morgen.

Zusammenfassung und Ausblick

Mit dem Showcase Mi5 können die Wirkungszusammenhänge von Industrie 4.0 dargestellt und aufgezeigt werden, was zu tun ist, damit Unternehmen und Institutionen auf die tiefgreifenden Veränderungen reagieren können. Da sowohl Komponentenhersteller, Systemintegratoren als auch Maschinenbauer gleichermaßen von den Veränderungen durch „Industrie 4.0“ betroffen sind, werden dadurch gute Voraussetzungen geschaffen, um den Wettlauf der Cyber-Physischen-Technologien auf breiter Front zu starten. Zentrale Punkte sind dabei, neuartige Formen der Ausbildung sowie Zusammenarbeit und Vernetzung zu forcieren und innovative Kooperationen zu entwickeln. Wenn am Beispiel des Projekts Mi5 30 Studenten aus sechs Ländern das Engineering einer zukunftsorientierten Produktionsanlage verantworten dürfen, dann wäre das für die Industrie ein beispielhafter Weg für innovative Ausbildungsansätze. Um diesen Ansatz noch weiter auszubauen und um Gründer-Gene in jungen Menschen zu stimulieren und Kreativität den richtigen Rahmen zu geben, baut ITQ gerade einen Mi5-Außenposten in Las Palmas auf Gran Canaria auf. Die Vision für das sogenannte „Innovation Lab“ ist, dass junge Menschen aus unterschiedlichsten Nationen mit HighTech nicht nur „spielen“, sondern wirklich innovative Projekte vorantreiben. Dieser attraktive Ort wird aber nicht nur viele junge Menschen anlocken, sondern auch viele verschiedene Sponsoren, die bereits jetzt ihr Interesse bekundet haben.

Mehr Informationen: www.itq.de

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