Interview Dr. Rainer Stetter, ITQ GmbH

DSC_0030Im Rahmen der IT2Industry Open Conference wird Dr.-Ing. Rainer Stetter, Geschäftsführer ITQ GmbH, am Mittwoch, 11. November 2015, einen Vortrag zum Thema „Industrie 4.0 und ihre Folgen“ halten. Zu den Inhalten und seiner persönlichen Einschätzung im Bereich industrielles Internet der Dinge hat er sich vorab mit dem IT2Industry Blog unterhalten.

IT2I: Herr Stetter, Sie behaupten, deutsche Unternehmen sind auf Industrie 4.0 und die Digitalisierung unzureichend vorbereitet. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie können deutsche Firmen diesen Rückstand aufholen?

Dr. Stetter: Dass in Deutschland das Thema Digitalisierung und die damit im Gleichklang stehenden Themenfelder Software, Elektronik und damit schlussendlich auch Industrie 4.0 nicht ganz oben auf der persönlichen Agenda von Unternehmen und Unternehmern steht, wird in vielen Umfragen dokumentiert.

„Unglücklicherweise“ deckt sich meine persönliche Erfahrung gerade mit mittelständischen Unternehmen mit den statistischen Erhebung verschiedenster Institutionen, was mich durchaus beunruhigt.

IT2I: Bei der IT2I Open Conference werden Sie den Demonstrator Mi5 vorstellen. Könnten Sie uns die Funktionsweise erklären und mögliche Anwendungsbereiche nennen?

Dr. Stetter: Nachdem gerade in den mittelständischen (Maschinenbau-)Firmen die emotionale Affinität zu Software/IT nicht sehr hoch und damit verbunden auch die technologische Versiertheit manchmal etwas Nachholbedarf hat, haben wir mit dem Projekt Mi5 einen „Showcase“ bzw. Musterprojekt erstellt mit dem wir aufzeigen, welchen Einfluss Industrie 4.0 technologisch und organisatorisch auf die Unternehmen hat.

Mi5 und was dahinter steckt, haben wir inzwischen schon auf einer Vielzahl von nationalen und internationalen Foren vorgestellt.

Dieses mechatronisch modulare Produktions-System wurde voll digital entwickelt und vorab getestet, so dass die Erstinbetriebnahme in 3 Stunden durchgeführt werden konnte, die zudem nur wenige Tage vor der „Premierenmesse“ stattfand.

Damit Mi5 auf Messen und Veranstaltungen nicht nur technologisch ein Besuchermagnet ist, sondern auch „menschliche Grundbedürfnisse“ wie Essen und Trinken adressiert, können wir damit Cocktails und Kekse produzieren.

IT2I: Welche Auswirkungen wird Industrie 4.0 auf die Arbeitswelt haben?

Dr. Stetter: Die zunehmende Digitalisierung wird nicht (nur) eine neue Arbeitswelt bringen, sondern eine neue „Welt“. Dinge, die früher mal wichtig waren, wie der Besitz eines eigenen Fahrzeugs, relativieren sich.

Fahrzeuge werden auf einmal selbst fahren. Neue Wettbewerber tauchen auf, wie z.B. Google, welches 2015 zum ersten Mal auf der IAA ausstellt. Maschinen sind oftmals nur noch Computer(netzwerke) an denen Mechanik hängt.

Alles wandelt sich und wird digital und virtuell und die Unternehmen, die überleben wollen, müssen schnell, agil und flexibel völlig sein, um neue Geschäftsfelder zu beherrschen.

IT2I: Herr Stetter, lassen Sie uns in die Zukunft blicken. Wie weit wird die deutsche Industrie in fünf Jahren im Bereich IoT, Industrie 4.0 bzw. Digitalisierung sein?

Dr. Stetter: Diejenigen Unternehmen, welche mittelfristig überleben werden, haben erkannt, dass Software/IT ein Schlüsselthema ist, und haben sich darauf eingestellt. Diejenigen welche erst dann beginnen, werden es sehr schwer haben.

 

– Dr. Rainer Stetter spricht über „Industrie 4.0 und ihre Folgen“ am Mittwoch, 11. November 2015, 14:00 Uhr, auf IT2Industry der Messe München (Halle B3).

Über Dr.-Ing. Rainer Stetter

Dr.-Ing. Rainer Stetter (1963) studierte Maschinenbau an der TU München und promovierte am Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) unter der Führung von Prof. Milberg. 1993 trat er als Entwicklungsleiter der Materialprüfung in die Zwick GmbH in Ulm ein. Seit 1997 ist er Geschäftsführer der Software Factory GmbH und der ITQ GmbH.

Von 1998 bis 2006 war er Gründungsvorstand des Fachverbands Software, seit 2002 Mitglied des Ausschusses Forschung & Innovation im VDMA, seit 2004 Mitglied im Lenkungskreis der Fachgruppe Automatisierung des ASQF sowie seit 2007 Beiratsmitglied des Clusters Mechatronik & Automation e.V.

Dr.-Ing. Stetter engagiert sich für interdisziplinäre Hochschulausbildung, um Studenten eine praxisnahe Ausbildung zu vermitteln und bietet als Lehrbeauftragter der TUM Vorlesungen und Seminare an. 2011 gründete er die StiftungTechnik macht Spaß“, mit dem Ziel die Jugend mehr für Technik zu begeistern und Wirtschaft und Ausbildung besser zu vernetzen.

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