Wie bereit ist Europa für Industrie 4.0?

Die Bedeutung der Digitalisierung für die gesamte Industrie und den Industriestandort Europa haben die EU-Vertreter mit ihren Beschlüssen beim Ratstreffen für Wettbewerbsfähigkeit vor kurzem unterstrichen. Zu einem EU-Binnenmarkt für Industrie 4.0-Güter und -Dienstleistungen sind die Ratsbeschlüsse ein weiterer Schritt. Doch ein digitaler Binnenmarkt in Europa beschränkt sich nicht auf die Digitalwirtschaft, sondern umfasst auch das produzierende Gewerbe. Es ist ein Ziel, bis zum Jahr 2020 einen Industrieanteil von 20 Prozent zu erreichen. So sehen die G7-Wirtschafts- und Finanzminister Strukturreformen als Mittel, die Digitalisierung zur Industrie 4.0 für künftiges Wirtschaftswachstum positiv zu beeinflussen. Doch in Europa ist das Bild über Industrie 4.0 noch uneinheitlich. In welchen Staaten liegt das meiste Potential?

Laut den Ergebnissen einer Studie von Roland Berger Strategy Consultants unterscheidet sich der Anteil der Industrie an der Gesamtwertschöpfung der einzelnen Staaten in Europa erheblich. Insgesamt tragen Industrie und  industrienahe Dienstleistungen zur Wertschöpfung zwar nur mit 15 Prozent bei, doch das Potential wird demnach mit einem Anteil über weitere fünf Prozent auf insgesamt 20 Prozent eingeschätzt. Die Industriebranchen machen derzeit außerdem 80 Prozent der Innovationen und 75 Prozent der Exporte aus.

Dennoch wird der wirtschaftliche Druck wird in Europa deutlich spürbar: Die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen sinkt zunehmend, besonders unter Einfluss asiatischer Konkurrenz. Dadurch ist die Anzahl der Arbeitsplätze in der Industrie mehr oder minder zahlreich verringert worden, besonders in Grossbritannien (minus 29 Prozent), Frankreich (minus 20 Prozent) und Deutschland (minus 8 Prozent).

Die industrielle Entwicklung variiert zwischen den Ländern erheblich: Der Anteil der Industrie in Deutschland ist beinahe gleich geblieben (21,8 Prozent in 2013 / 22 Prozent in 2005), ebenso in der Schweiz (19 in 2012). Dagegen verringert sich in Italien (15,5 in 2013 / 17,8 in 2005) und Frankreich (10,2 in 2013 / 12,6 in 2005) der Grad der Industrialisierung.

Grafik Wirtschaft Industrie Anteil Wertschöpfung Industrie Vergleich EU Frankreich Deutschland DIEWELT

– Grafik / Quelle: DIE WELT

Industrienationen als Vorreiter für Industrie 4.0

Um die Bereitschaft zur digitalen Transformation und deren wirtschaftlichen Wertschöpfungsbeitrag für den jeweiligen Staat zu ermitteln, hat Roland Berger einen „Industry 4.0 Readiness Index“ der einzelnen Staaten in Europa ermittelt.

Demnach stehen die Chancen für die digitale Transformation der Industrie in der Schweiz, Deutschland, Irland, Schweden (14,8 Prozent Industrieanteil in 2013 vs. 19 Prozent in 2005) und Finnland im europäischen Vergleich am besten, gefolgt von den Niederlanden, UK (10,1 in 2012 / 12 in 2005 – vgl. Frankreich) und Norwegen, die jedoch angesichts ihres wesentlich geringeren Anteils an industrieller Wertschöpfung in die folgende Gruppe der aussichtsreichen Kandidaten („Potentialists„) eingestuft werden.

Graph Industry 4.0 Readiness Check Index Roland Berger

– Grafik: Roland Berger Strategy Consultants

Österreich verfügt mit 18,3 Prozent (2013) über einen ähnlichen Industrieanteil am Wirtschaftsaufkommen wie die Schweiz und Polen (17,5 Prozent). Im ermittelten Industrie 4.0-Index steht das Alpenland auf einer Stufe mit Frankreich, Belgien und Dänemark.

Beispielsweise investiert Bosch in seine Forschung und Entwicklung 101 Millionen Euro nach 94,2 Euro im Vorjahr. Klaus Peter Fouquet, Alleinvorstand der österreichischen Robert Bosch AG, erläutert diesen Schwerpunkt: Das Internet der Dinge bietet uns große Chancen. Mit unserer technischen Expertise in vielen Produktbereichen, und unserer Software- sowie Sensorikkompetenz sind wir dafür gut aufgestellt. Dazu wurde der Produktbereich Gebäudesicherheit im Geschäftsbereich Sicherheitssysteme eingerichtet und zusätzliche Ingenieure eingestellt. Als zusätzlicher Standort kam Steyr Anfang 2015 hinzu und das internationale Kompetenzzentrum in Linz wird als Entwicklungsstandort baulich erweitert.

Die Schweiz ist für die vierte industrielle Revolution anhand des Index optimal in Europa positioniert. Wenngleich der Industriaanteil nicht ganz so hoch wie in Deutschland ist, verfügt die dortige Industrie über die besten Industrie 4.0-Voraussetzungen.

Dazu sagt Oliver Grassmann, Principal und Industrieexperte von Roland Berger in Zürich:

Die Schweiz hat beste Voraussetzungen, um auf dem Gebiet von Industrie 4.0 eine Pionierrolle einzunehmen. Denn neben der robusten Industrie verfügt die Schweiz auch über einen starken IT-Sektor sowie über einen bestens aufgestellten Forschungsplatz, welche wesentlich zur Entwicklung der Industrie von morgen beitragen können. So werden Bereiche wie Cloud Computing, Big Data, 3D-Druck sowie Sensorik und Robotik das Feld Industrie 4.0 wesentlich prägen.“

 

– Quelle: Roland Berger Strategy Consultants via Pôle Numérique / CCI de BordeauxSlideshare

Mit einem europäisches Engagement, etwa mittels einer einheitlichere IT-Infrastruktur, passenden Finanzierungsplänen und zukunftsweisenden Ausbildungsmöglichkeiten in Bereichen wie Softwareprogrammierung, Datengewinnung und Data Analytics, da mit der allgemeinen Verbreitung von Industrie 4.0 in verschiedenen Industriebereichen teils völlig neue Anforderungen an die eingebundenen Berufsprofile, nicht nur in der IT, gestellt werden, die sowohl konkretes Know-how als auch weitläufige Erfahrung über digitalen Einsatz, Abläufe und Prozesse voraussetzen.

Eine Grundlage bildet die Verfügbarkeit von schnellem Internet. Im Rahmen ihres Berichts über den Status der Industrie 4.0 hat das Bundeswirtschaftsministerium zum globalen Vergleich ein Ranking zur Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen der wichtigsten Industrienationen zusammengestellt. Demnach liegen Dänemark und die Niederlande in Europa gleichauf an der Spitze, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. Deutschland ist immer noch im vorderen Feld, ebenso Finnland.

Grafik BMWi Ranking Breitband Anschlüsse Länder Welt 2013

Die IT2Industry 2015 Fachmesse und Open Conference vom 10. bis 13. November 2015 in München zeigt sowohl gesamtwirtschaftliche als unternehmerische Facetten der Entwicklung zur Industrie 4.0 in Europa. Mehr Informationen für Aussteller und Besucherhttp://it2industry.de/

Zum Download der Studie von Roland Berger Strategy Consultants (Klick auf Link öffnet PDF-Datei)

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