Industrie 4.0: Den Mittelstand nicht vergessen!

„Industrie 4.0 ist essentiell für den Industriestandort Deutschland“, so lauteten die Worte von Politik und Verbänden beim großen Startschuss zur „Vierten Industriellen Revolution“ im vergangenen Jahr. Einige Monate später sieht die Bilanz ziemlich einseitig aus. Großunternehmen profitieren von den Fördergeldern des Bundes und die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) gehen so gut wie leer aus. Aber: Ohne den Mittelstand funktioniert Industrie 4.0 nicht.

Industrie 4.0 in der Praxis200 Millionen Euro lässt sich die Bundesregierung den „digital shift“ in der Industrie kosten. Eine Summe, bei der auf den ersten Blick von den kleinen bis zu den ganz großen Unternehmen alle etwas vom Kuchen abbekommen könnten. Näher betrachtet, profitiert aber nur die Großindustrie. Klassische KMUs, die einen Umsatz von maximal 50 Millionen Euro erwirtschaften, haben bei der Vergabe von Fördermitteln oft schlichtweg Pech.

Erste Industrie 4.0-Kooperationen zwischen KMU

Wie Fördermittel konkret vergeben werden, erklärt Dieter Meuser, CTO des SoftwareUnternehmens iTAC: „Wir haben gemeinsam mit drei Konsortien und etablierten Forschungsinstituten Anträge gestellt, die professionell von einer Unternehmensberatung aufgesetzt wurden. Dennoch erhielten letztlich nur die Global Player den Zuschlag.“ Heißt im Klartext, ein Mittelständler kann nur dann auf Fördergeld für Industrie 4.0-Projekte hoffen, wenn ein Großunternehmen beteiligt ist.

Dass KMUs trotzdem Projekte auf die Beine stellen, die eine Förderung verdienen, zeigt iTAC in Kooperation mit dem Auftragsfertiger Limtronik im Bereich „Smart Factory“. Die beiden Firmen zeigen wie die MES-Umgebung (Manufacturing Execution Systems) zur „Big Data Schaltzentrale“ wird. Über Algorithmen sollen Maschinen aus Fehlern lernen, um sich selbst zu optimieren und autark zu produzieren.

Im Vergleich dazu stellt die in diesem Jahr öffentlich präsentierte Smart Factory von Großunternehmen wie Siemens, Cisco, Festo, Phoenix Contact und Hirschmann ein weniger innovatives Szenario dar, bei dem der reale Bezug größtenteils nicht vorhanden war.

Mittelstand der Fertigungsindustrie ist bereit – Neue Umfrage zur IT-Innovationsbereitschaft

Wie weit das Interesse für vernetzte Produktion im industriellen Mittelstand bereits gediehen ist, zeigt auch die neuere Umfrage „IT Innovation Readiness Index zur IT-Durchdringung im produzierenden Gewerbe„.Für diese wurde im Auftrag von Freudenberg IT vom Marktforschungsinstitut PAC (Pierre Audoin Consultants130 Entscheider aus IT und Produktion von mittelständischen Unternehmen, besonders aus den Bereichen Anlagen und Maschinenbau sowie Automotive, befragt.

Schaubild Industrie 4.0 Mittelstand 2014

– Quelle / Grafik: Freudenberg IT

Demnach richten fast 70 Prozent aller Unternehmen der mittelständischen Industrie einen Fokus auf automatisierte und vernetzte Prozesse in der Produktion oder haben diese bereits implementiert.

Die deutschen Early Adopters von Industrie 4.0 sind vor allem unter Automobilzulieferern mit einer Unternehmensgröße plus 500 Mitarbeiter zu finden.

– Horst Reichardt, CEO Freudenberg IT

Gegenüber 2013 ist das Interesse damit um 50 Prozent gestiegen. Die Datenerfassung aus der Fertigung (MDE/BDE) ist um 15 Prozent gestiegen auf 68 Prozent – 15 Prozent mehr gegenüber 2013.

Auch wurde ein höherer Anteil an MES an kaufmännische Systeme wie Warenwirtschaft angebunden: von 2014 gegenüber 2013 rund 10 Prozent mehr, mit inzwischen 67 Prozent.

Unter den Befragten bekannten sich deutlich mehr Non-IT-Manager als im Vorjahr zum strategischen Einsatz von SaaS – was zweifellos mit der Cloud-Strategie der Softwareanbieter wie SAP und der damit einhergehenden verstärkten Kommunikation des Cloud-Modells zusammenhängt.

– Karsten Leclerque, PAC

Fazit: Der Mittelstand kennt oftmals schon die Lösung, während Konsortien noch forschen.

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