Gastbeitrag acentrix: Die neue Erste und zweite Liga der Fertigungsindustrie

Die neue erste und zweite Liga der Fertigungsindustrie in der Industrie 4.0 Ära: Neue Kernkompetenzen, Wandel und gewollte digitale Fragezeichen

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Was bringt die IT Branche der Fertigungsindustrie dieser Tage Neues? Wandel, Chancen und die Notwendigkeit zur geschäftsrelevante Berücksichtigung von Daten und Cloud-Computing.

Industrie 4.0 steht für viele Dinge, aber unzweifelhaft steht es für Wandel. Ein derzeitiges und zukünftiges Hauptunterscheidungskriterium in der Fertigungsindustrie ist die Fähigkeit digitale Wertschöpfung an physischen Produkten zu „verankern“. Dies wird großen Einfluss auf Portfolioerwägungen haben, viele „Fragezeichen“ erzeugen und sehr unterschiedliche Wachstums- Überlebens- und Ausdifferenzierungspotentiale begründen.

„Cloud-Verfügungskompetenz“ und „Datenverfügungskompetenz“ sind mit diesem Artikel eingeführte hilfreiche Konzepte für Verantwortliche in Unternehmen, um die transformatorischen Chancen und Herausforderungen der beginnenden Industrie 4.0 Era zu verstehen, anzupacken und zu meistern.

Was bringt die IT Branche der Fertigungsindustrie dieser Tage Neues? Wandel, Chancen und und die Notwendigkeit zur geschäftsrelevante Berücksichtigung von Daten und Cloud-Computing.

Cloud

Cloudtechnologien bieten de-facto heute die technische Möglichkeit quasi beliebige Datenmengen, in komplexen Ereignisketten für extrem viele Geschäftsmodelle in hinreichender Zeit verarbeiten. Vereinfacht ausgedrückt: Richtig(!) aufgesetzt geht eigentlich mit und in der Cloud alles, was Sie sich geschäftsstrategisch zusammen mit Fachabteilungen und „Data Scientists“ ausdenken können.

Dabei gewährleistet Ende-zu-Ende Verschlüsselung der Kommunikation, „Cloud Governance Frameworks“, sowie umfangreiche Sicherungsmaßnahmen bezüglich Datenzugriffs in der Cloud den Schutz intellektuellem Eigentums.

Somit ist technisch grundsätzlich (fast) jeder denkbare Anwendungsfall digitaler Wertschöpfung sicher mit Cloudtechnologien darstellbar. Dies hat große Auswirkungen.

Robin ProschSW
Robin Prosch, Director Data Driven Business Smart Digital Services

Eine neue erste Liga in der Fertigungswelt

Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass man die Fertigungswelt zukünftig in zwei Ligen mit sehr unterschiedlichen Wachstums-, Überlebens- und Ausdifferenzierungspotentialen teilen kann.

Erste Liga = physisches Produkt + „verankerte“ digitale Wertschöpfung

Zweite Liga = nur physisches Produkt

Das wichtigste Unterscheidungskriterium dabei wird wohl die Antwort auf die Frage sein:

Kann das produzierte (Halb-)Produkt digitalen Dienstleistungen als „Anker“ dienen?“

Solange man neue Ideen für digitale Services an seine physischen Produkte ankern kann, solange ist man am Markt in der neuen ersten Liga: Hersteller mit direktem Zugang zu zusätzlicher digitaler Wertschöpfung.

Dies wird häufig in Form von digitalen value-add Dienstleistungen rund um Ihr Produkt möglich sein. Besonders spannend ist hierbei eine Eigenschaft digitaler Wertschöpfung: die massive Skalierbarkeit. Während Sie ein physisches Gut genau einmal herstellen können, können Sie – gute Ideen vorausgesetzt und schnell am Markt verprobt – an diesem einem physischen Gut digitale Wertschöpfungsketten verankern. Manchmal lohnt da die Überlegung, das Gut nicht mehr zu verkaufen, sondern als „Anker“ zu verschenken.

Eine Denkanregung: Lohnt sich der einmalige Verkauf einer Zugtür mit Wartungsvertrag an den Hersteller von Zügen mehr als ein kontinuierlich über Jahre erbrachter digitaler Service, welcher in Echtzeit meldet wie viele Personen, Fahrräder und Kinderkarren diese Tür nutzen? (Mit dieser Information können Verkehrsbetriebe eine sehr effiziente Auslastungssteuerung erreichen.)

 

Finden digitaler Geschäftsmodelle

Grundsätzlich gibt es zwei gute Ansatzpunkte für digitale Dienstleistungs-Anwendungsfälle:

  1. „Make new, additional Money“ Neue digitale Wertschöpfung an bisherigen Produkten verankern (= digitale Services, basierend auf zukunftssicheren Anwendungsfällen, passend zu Ihrem Produktportfolio)
  2. „Make new, different Money“ Neue Wertschöpfungswege aus den eignen Kernkompetenzen abseits der bestehenden Produktpalette heraus vordenken. Wandel weit voraus antizipieren und sichergehen, dass man – sofern noch nicht der Fall – in der 1. Liga der Fertiger mit direktem Zugang zu digitaler Wertschöpfung bleibt bzw. kommt. (Hier entstehen z.B. andersartige Produkte, nur weil Sie deren „Ankerfunktion“ benötigen.)

Beide Ansätze sind legitim, aber Sie ahnen es bereits, bedingen neue Kernkompetenzen, sind unterschiedlich schwer, bedürfen der Übung in der methodischen Herangehensweise und … eine abteilungsübergreifende Begeisterung.

Und was braucht es an neuen Kernkompetenzen, wenn doch bisher die Fertigungzentrischen Kompetenzen alleiniger Erfolgsgarant waren?

Zusätzliche Kernkompetenzen für die ersten Liga:

  • Cloud-Verfügungskompetenz.

 

Cloud-Verfügungskompetenz meint die Befähigung, Mandatierung und den Willen interne und externe ‚compute‘ und ’store‘ Ressourcen on-demand zur Sicherstellung der notwendigen unternehmerischen Adaptionsfähigkeit bei häufig wechselnde Geschäftsanforderungen einzusetzen zu können.

Diese sperrige Definition bedeutet: IT in geschäftsrelevanter (= Fachabteilungs-) Geschwindigkeit. Also sofort und ohne IT Rüstzeit wie z.B. Hardware-Bestellzyklen oder nennenswerten Bereitstellungszeiten für eine virtuelle Maschine … (ja, auch Ihre IT hat Maschinen J)

Wenn Sie es schaffen, dass die IT-Abteilung Cloud Computing als die Chance für das Unternehmen begreift (welche nebenbei mal eben die gesamte bisherige Arbeitswelt der IT-Abteilung mit heiliger Dreiteilung Server, Storage, Network auf dem Kopf stellt) haben Sie extrem gute Karten für die 1. Liga.

  1. Datendeutungskompetenz

Unter Datendeutungskompetenz verstehen wir die Befähigung, Mandatierung und den Willen aus internen und externen, strukturierten und unstrukturierten Daten Verknüpfungen zu bilden, welche für einen internen Prozess, einen Kunden, oder einem noch unbekannten Dritten in einer bisher fremden Wertschöpfungskette einen Wert besitzen und somit für zusätzliche Wertschöpfung des eigenen Unternehmens genutzt werden können.

Diese Datendeutungskompetenz ist ein wesentlicher Eckpfeiler für die Entwicklung datenbasierter Wertschöpfungsangebote Ihres Unternehmens, egal ob intern aufgestellt oder via Beratungshäuser zugefügt.

Inhaltlich geht dies deutlich über Business Intelligence hinaus und wird häufig mit „Data Science“ benannt. Wichtig hierbei sind Fähigkeiten rund um Machine Learning Algorithmen bis hin zu „designten Intelligenzen / KI“ welche eine Aufgabe intelligent(-er) löst.

Ohne diese beiden zukünftigen Kernkompetenzen, als In-house Fähigkeiten aufgebaut oder extern zugekauft, wird es schwer werden die digital skalierenden(!) Wachstumspotentiale in der neuen 1. Liga der Fertigung zu nutzen.

Wandel

Höchstwahrscheinlich läutet Industrie 4.0 einen Wandel ein, wie in Ihrem Unternehmen Produktentwicklung betrieben werden wird. In der Industrie 4.0 Ära wird es Gang-und-Gäbe sein, digitale Wertschöpfung als natürlichen Bestandteil Ihrer zukünftigen „Cyber-Physical-Devices“ Angebote zu werten, wo sowieso nicht mehr ganz klar ist, wo das Produkt „aufhört“ bzw. die Wertschöpfung im Mix physisch/digital kalkuliert wird.

Je nach Größenklasse, Unternehmensalter und organisatorischer Ausdifferenzierung Ihres Unternehmens entstehen in und durch diesen Wandel andere Herausforderungen, einige leichter überwindbar in kleineren Unternehmen (bei geringerer organisatorische Ausspezialisierung ist Wandel bzw. transformatorisches „Umschwenken“ vergleichsweise einfacher), andere eher in größeren Unternehmen (Mehr Investmentbudget macht vieles einfacher, schafft Möglichkeiten zur Beschleunigung)

Zwischenfazit: Wandel steht an

Industrie 4.0 ist vieles, aber ganz bestimmt auch das Synonym dafür, dass IT technologischer Fortschritt die Zeitspanne verkürzt, in der größere Organisationen in der Fertigungsindustrie einen Vorteil aus ihrer höheren Spezialisierung/Shopfloor für einen bestimmten wirtschaftlichen Zweck ziehen können.   Vielleicht ist dieser vermeintliche Vorteil manchmal nicht mal mehr existent und „kleine Agilität“ schlägt „große Effizienzoptimierung“?

Portfolio

Ob groß, ob klein, mit nachfolgenden Fragen zur fälligen Portfolioanalyse stehen Sie derzeit bestimmt nicht alleine:

  • Habe ich in Relation zu meinem „Cash Cows“ genug (digitale) „Question Marks“?
  • Wie lange sind die physischen „Stars“ noch brillant und was wird – vielleicht gerade jetzt – viel zu schnell „Poor Dog“?

Also, in der Fertigung die Effizienz, z.B. durch Data Science weiter optimieren oder lieber digitales Neuland erkunden?

Wenn „Beides tun und Nichts lassen“ für Sie derzeit nicht als valide Antwort gültig sein kann, prüfen Sie nochmal sehr genau ob „Follower“ für Sie wirklich die richtige nachhaltige Strategie im digitalen Raum sein wird. Den Digitalisierung wirkt jetzt auf alle Branchen und Produktionsstufen.

Anregungen

  1. Besetzen Sie die den „digitalen Luftraum“ oberhalb Ihrer eigenen Produkte. Erkunden/“Explorieren“ Sie intensiv mögliche digitale Dienstleistungen, nah und fern Ihrer aktuellen Produktpallette und rund um Ihre Kernkompetenzen herum. Sonst machen es Andere, auch von ganz weit weg, den dafür kann man das Internet nutzen -> „going global in minutes.“
  2. Werfen Sie absichtlich so viele digitale „Questionmarks“ wie vertretbar auf potentielle Märkte – deutlich mit „Beta-Service“ gekennzeichnet
  3. Verifizieren oder Falsifizieren Sie zügig die Annahmen der „Questionmarks“, lernen Sie aus Kunden-Feedback, iterieren Sie.
  4. Und wie abgesichert ist Ihr direkter Mitbewerber diesbezüglich eigentlich schon? Identifizieren Sie den „digitalen Luftraum“ oberhalb der Mitbewerberprodukte, vielleicht finden und implementieren Sie da eine digitale Wertschöpfung?

Willkommen in der Industrie 4.0 Ära


Über Robin Prosch

Robin Prosch ist Direktor des Bereiches Data Driven Business. Seit fast 20 Jahren berät er Kunden vieler Branchen und Größenklassen rund um die zielführende Verschmelzung von IT Technologien und Geschäftsstrategie, darunter 5 Jahre als deutscher Team Lead Client Solution Architects eines weltmarktführenden IT Konzerns und 1 Jahr in einem Start-up mit Fokus auf strategische Vorausschau für den Mittelstand. Cloud, Big Data/Data Science, Foresight und Industrie 4.0/IIOT sind seine Kernthemen und Erfolgs-Zutaten für die nächste Welle an datengetriebener Wertschöpfung und Innovation.

 

acentrix: Beratungs und Integrationspartner von Cloud und Product-LifeCycle-Management- Lösungen sowie Smart Digital Services, IT2Industry, Halle B4, Stand 111.

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